Ein Hauch von Philosophie
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Denken ist nicht alles

"Cogito ergo sum" - ich denke, also bin ich.

Geradezu ein Klassiker, immerhin ist der Satz auch schon ein paar Jahrhunderte alt (1642 a.D.) und von Descartes. Der wollte in seinen "meditationes" zunächst alles bezweifeln und dann über die unbestreitbare Existenz Gottes doch wieder Unzweifelhaftes postulieren. Also mußte alles aus dem Weg geräumt werden, woran gezweifelt werden konnte: das, was unser Auge uns zeigt oder manchmal auch nur vorgaukelt; das, was unsere anderen Sinne (Geruch, Tastsinn etc.) uns glauben machen wollen - alles kann uns trügen und täuschen - und auch die so sicher geglaubte Tatsache, daß wir einen Körper haben, mithin die gesamte wahrgenommene Welt, fiel dem Zweifel zunächst zum Opfer. Doch weil ja etwas da war, das denken konnte, gab es zumindest schonmal dieses Eine: ein denkendes Etwas ("res cogitans").

Wären wir aber alle nur solche denkenden Dinge ohne jede körperliche Ausdehnung, ohne irgendeinen physischen Aspekt, dann - das merken wir jeden Tag - würde unser Denken sich sehr viel Mühe geben, uns bloße Illusionen aufzutischen, damit wir alle in dem Irrglauben lebten (dächten), daß wir in einer physischen Welt leben. Also mußte noch etwas Zweites her, damit neben dem Denken auch Platz für das Körperliche war: die "res extensa" - die (räumlich) ausgedehnte Sache. Jetzt konnte man also zweierlei zugleich sein: Denkendes und Physisches.

Und damit steht man vor einem der großen Probleme der (klassischen) Philosophie: Ist der Mensch eher als denkendes oder eher als materielles Wesen zu bestimmen? Wo fängt man an, die Grenze zwischen bloßem Sein (im Sinne von existieren, da-sein) und "wahrem" Sein (lebendigem, tatsächlichem) zu ziehen? Kann man die Welt für das denkende Wesen Menschen erklären, für das seiende Wesen oder für beide zugleich?

Die moderne Naturwissenschaft hilft hier dem philosphischen Denken (oder torpediert es, je nach Sichtweise): Was immer wir auch sehen, fühlen, schmecken, hören - es muß alles von unserem Gehirn verarbeitet werden, in Form von elektrischen Impulsen, Hormon- und Botenstoffausschüttungen, wahrnehmbar gemacht werden (oder zumindest unterbewußt irgendwelche Tätigkeiten, Reaktionen oder anderes auslösen können).

Tatsache ist aber auch, das das bloße (also "reine") Denken genauso wenig funktioniert oder als Erklärungsmodell herhalten kann, wie das bloße Sein. Ein kleiner grauer Kieselstein "ist" auch, aber er wird wohl nie imstande sein, 2 und 2 zu addieren oder auch nur festzustellen, daß gleich neben ihm noch ein Kiesel liegt. Genausowenig hilft das (vernunftmäßige, logische) Denken allein, die Welt, in der wir leben, zu verstehen.

Spätestens an dem Punkt aber, wo man auch noch versuchen sollte, Emotionen mit einzubeziehen, stößt nicht nur die Philosohoie an die Grenzen ihrer Erklärungsmöglichkeiten - denn auch wenn diese einen nicht unbedeutenden Anteil am Leben ausmachen, lassen sie sich nicht (vollständig und in ihrer Gesamtheit) durch rationale Modelle erfassen.
7.11.09 17:15
 



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