Ein Hauch von Philosophie
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Zwischen Schein und Sein

Ob man es mit dem, was man gerade wahrnimmt, mit Schein oder Sein zu tun hat, beschäftigt die Philosophie schon seit ihrer Frühzeit. Erwähnenswert sind hier vor allem Parmenides (berühmt durch sein fragmentarisch erhaltenes "Lehrgedicht"), Aristoteles (schon bekannt aus dem letzten Eintrag) und natürlich Platon. Doch auch spätere Philosophen wie Descartes setzten sich mit diesem Thema auseinander; allgemein läßt sich dieses Gebiet der Philosophie unter Erkenntnisheorie einordnen: Was ist Wirklichkeit? Was läßt sich erkennen und wie wird es erkannt? Hier spielt in jüngster Zeit auch die Naturwissenschaft eine zunehmend größere Rolle, die durch Meßverfahren den Erkenntnisapparat des Menschen untersucht: Wann werden bestimmte Reize bewußt wahrgenommen und wann nicht? Wie lange muß ein Reiz wirken, damit er wahrgenommen wird?

Doch fangen wir vorne an: Das Lehrgedicht des Parmenides kommt auf den ersten Blick etwas irritirend daher, postuliert es doch einfach ein Sein, das Eines ist, unteilbar, rund und einiges dergleichen meh; nur über das Seiende könne und dürfe gesprochen / nachgedacht werden, das Nichtseiende hingegen entziehe sich hingegen dem Menschen (schließlich kann über etwas, was nicht ist, auch nichts ausgesagt werden, denn dann wäre es ja bereits etwas (von dem etwas ausgesagt wird)).

Auch Platon macht sich später Gedanken darüber, was wahrhaft Seiendes sei und was bloßer Schein ist. Am bekanntesten dürfte hier das "Höhlengleichnis" aus der Politeia (dt.: "Der Staat") sein, wo Platon der Welt, wie wir sie kennen, eine Welt der Ideen gegenüberstellt, die das Seiende enthält, während in unserer Wahrnehmung alles bloße "Schatten" seien. Und wie ein Mensch sich mühsam aus der Höhle ans Tageslicht quält (teils natürlich geblendet von der zunehmendn Helligkeit), so strebt der Philosoph nach dem Wissen, nach dem, was ist: den Ideen, die als Seiende unvergänglich und unveränderlich sein sollen, während alles andere Veränderung, Entstehen und Vergehen unterworfen ist und demzufolge als Nichtseiendes eingestuft wird. Aber dieser Weg birgt auch ein augenscheinliches Manko: Als Mensch in dieser Welt bin ich doch ein Nichstseiendes, da ich geboren wurde und irgendwann sterben werde. Ginge ich dann noch nach Parmenides, könnte ich nichtmal über mich selbst nachdenken.

In einem späteren Dialog, dem Sophistes (dt.: "Der Sophist") legt Platon eine etwas andere Sicht der Ideen dar: nun können sie aneinander partizipieren und auch das Sein des Nichtseins wird erörtert. In gewohnt dialektischer Führung kristallisiert sich so ein Bild von den "höchsten Dingen" heraus: Seiendes (to on), Stillstand (stasis), Bewegung (kinesis), Dasselbe (tauton < to auton) und Verschiedenes (heteron). Auch gibt es nun nicht mehr die eher "göttliche Schau der Ideen" und das "Wiedererinnern" an etwas, was die eigene Seele von früher kennt (vgl. Dialog Menon und Politeia, Buch X (Seelenwanderung)).

--- weiter geht es in Kürze in Teil 2 ---
5.11.09 12:44
 



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